Schwarzweiß

Schwarzweiss
"Schwarzweiß" war Natke erstes Album. Es erschien 1990 beim alpha-comic verlag. Zuvor erschienen die einzelnen Strips in der Zeitschrift U-COMIX (ab Nr.108 / 1989).

Joachim Kaps schrieb im ICOM 52 im Juni 1991:

FRANQUIN LASST GRUSSEN
Es mag nicht immer glücklich erscheinen, ein Album eines relativ jungen Zeichners mit Gewalt nach Vorbildern abzusuchen und seine Leistung somit vorwiegend im Vergleich mit diesen zu bewerten. Im Falle von Bernd Natke sind die Anlehnungen an das Vorbild allerdings derart massiv, daß eine solche Vorgehensweise nicht nur legitim, sondern geradezu zwingend notwendig erscheint.

Im Herbst 1988, genauer gesagt in der Nummer 104 des Magazins U-Comix, wurde erstmals ein Comic des Hannoveraner Zeichners einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Schon dieser erste publizierte Comic Natkes, mit dem er den 3. Platz des ICOM-Nachwuchswettbewerbes 1988 belegt hatte, ließ deutlich seine Vorliebe für das französische Comic-Genie André Franquin erkennen. In der klassischen Manier der Schule Marcinelle wurde hier mit viel Liebe zum Detail ein kleines humorvolles Abenteuer des Streifenpolizisten McRogers erzählt.

Nur vier Monate später startete in dem gleichen Magazin Natkes Reihe von One-Pagern, Schwarzweiß, deren Einzelfolgen nun gesammelt in einem Album bei alpha vorgelegt wurden. Noch stärker ist hier der Einfluß Franquins zu erkennen. (Eine Hommage an Franquin findet sich übrigens auf Seite 19 des Albums, wo dem Künstler ein gezeichnetes Denkmal gesetzt wurde.) In Anlehnung an dessen Idées Noires (dt. Schwarze Gedanken, ebenfalls bei alpha), in denen die Betonung des Schwarzen sich gleichermaßen auf grafische Gestaltung und Inhalt bezieht, wird auch in Natkes Schwarzweiß der schwarze Humor gepflegt. Gleich mehrfach geht die Erde unter, es werden makabere Spiele im Krieg gespielt, Kannibalen zeugen ihre Kinder nur, um sie nach der Geburt verspeisen zu können. Die Welt ist eben schlecht, und genau so zeigt Natke sie uns in seinen fast durchgängig einseitigen Mini-Dramen aus dem Zentrum des Lebens.

Im Vergleich zu seinem Vorbild verpackt Natke seine Bosheiten allerdings in der Regel wesentlich freundlicher. Das Schwarz ist in den Zeichnungen bei weitem nicht so bestimmend wie in den Idées Noires und läßt das Weiß hier und da gleichsam wie einen Hoffnungsschimmer durch die Düsternis der Geschichten brechen. Die Figuren sind rundlicher, fast drollig, und erinnern stärker an das Minimenschen-Volk von Pierre Seron, denn an die Täter und Opfer in den düsteren Visionen Franquins. Gerade in diesen Abweichungen vom Vorbild wird aber schließlich die Eigenleistung Natkes deutlich. Der Humor geht hier einen grundsätzlich anderen Weg, schleicht sich durch die relativ freundliche Bildgestaltung quasi von hinten an, um dann mit umso stärkerem Überraschungseffekt zuzuschlagen.

Der erfreulicherweise chronologisch geordnete Abdruck der in diesem Album gesammelten Folgen ermöglicht es, die zeichnerische und erzählerische Entwicklung Natkes beim Lesen zu beobachten. Zunehmend sicherer und eigenständiger wurde im Laufe der Zeit die Gestaltung von Figuren und Hintergründen. Feinheiten der Mimik. die bei humoristischen Comics vielleicht noch weit wichtiger sind als bei naturalistisch gezeichneten, kommen in den neueren Seiten viel stärker zum Tragen. Und schließlich hat auch das Gespür für den Umgang mit der einzelnen Seite als Erzähleinheit sich spürbar weiterentwickelt.

Durch die Mischung von älteren, teils noch mit Patzern behafteten, und neueren, durchweg gelungenen Seiten stellt Schwarzweiß insgesamt zwar noch keinen Meilenstein deutscher Comic-Geschichte dar, präsentiert jedoch durchaus gelungene Comic-Unterhaltung eines Zeichners, von dem noch viel zu hören sein wird. Einmal mehr wird hier deutlich, wie wichtig die Publikationsform des Magazins, in der junge Zeichner ihren eigenen Stil nach und nach reifen lassen können, ohne jahrelang auf Publikum verzichten zu müssen, für einen gesunden Comic--Markt ist. Trotz aller unübersehbaren Macken von U-Comix und Schwermetall sei auch dies an dieser Stelle mit Nachdruck gesagt. Joachim Kaps




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... und die hier kennen Sie noch nicht:




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